Archiv der Kategorie Städte und Dörfer

Cabrera zieht mehr Besucher an

Der Nationalpark Cabrera wird immer beliebter. Die Zahl der Besucher nahm von 36.173 (1995) auf 60.662 (2009) zu. Im vergangenen Jahr waren es noch mal rund zehn Prozent mehr.  Jetzt wollen die spanische Zentralregierung und die Stadt Palma die Infrastruktur verbessern.

Vor allem die am häufigsten besuchten Stellen der Insel sollen erneuert werden, denn  die Wege zur Mole, zum Hafen, dem Strand und dem Ausflugslokal weisen zahlreiche hässliche Schlaglöcher auf. An einigen Aufgängen werden Holzrampen angebracht, so dass sich auch Behinderte besser bewegen können. Außerdem soll in den Ruinen des byzantinischen Klosters ein Museum entstehen.

Weil dieses Gebiet auch bei Tauchfans beliebter wird  - allein im vergangenen Jahr waren es über 2000 – sollen neue Hinweistafeln ausführliche Informationen bieten.

Die Bauarbeiten werden über die Sommermonate ausgeführt und bis Ende der Saison beendet sein.

Die im Südwesten gelegene Insel hat eine maximale Nord-Süd-Ausdehnung von 5,5 Kilometern und eine Ost-West-Ausdehnung von über 5 Kilometern. Der Cabrera-Archipel besteht aus 19 Inseln mit einer Gesamtfläche von über 18 km² und einer Küstenlinie von 54 Kilometern. Seit 1991 ist er  - einschließlich des umliegenden Meeresgebietes - Nationalpark. Ausführliche Informationen bietet das Besucherzentrum des Nationalparks in Colònia de Sant Jordi, am Plaça Es Dolç.

 

Sehenswürdigkeiten:

  • Die Cova Blava („Blaue Grotte“) ist eine 160 Meter lange und 50 Meter breite Höhle, die an der Nordseite der Cala Gandulf liegt. Das Besondere: durch Reflexionen auf dem sandigen Grund schimmert sie blau
  • Festungsturm aus dem 14. Jahrhundert
  • Denkmal von 1847 zur Erinnerung an die umgekommenen französischen Kriegsgefangenen von 1809 bis 1814
  • Seemannsfriedhof
  • Leuchtturm auf dem Punta de Anciola
  • im Museum “Es Celler” werden Keramik und phönizische Amphoren ausgestellt sowie Alltagsgegenstände der Einheimischen aus dem 19. und 20. Jahrhundert (Fischernetze, Körbe und Geräte für die Feldarbeit). Informationen zur Geschichte der Insel finden sich in der ehemaligen Bodega
  • Cabrera  ist die Heimat zahlreicher Arten. Viele seltene Seevögel (darunter Fischadler, Seefalken, Sturmschwalbe oder Sardengrasmücke) brüten hier. Die Unterwasserwelt ist ebenfalls artenreich und beherbergt bedrohte Spezies, wie Seeschildkröten und Wale.

 

Anfahrten:

-       von Colònia de Sant Jordi dauert die ganzjährig angebotene Überfahrt ca. 30 Minuten. Die ca. einstündige Überfahrt sollte in der Saison vorab reserviert werden (Tel. 0043/ 971 64 90 34)

-      von Porto Petro dauert die vom 1. Mai bis zum 30. September täglich angebotene Fahrt ca. 75 Minuten

-       für den privaten Besuch mit eigenem Boot ist eine kostenlose staatliche Genehmigung erforderlich. Die Anzahl der Genehmigungen pro Tag ist auf 50 beschränkt. Es darf nur im Hafen geankert werden(HB).

Mallorcas heißeste Winter- Fiesta

Üblicherweise fällt im Januar auf  Mallorca viel Regen und die Temperaturen können nachts schon mal gegen Null Grad herunterrauschen. Der diesjährige Winter ist jedoch ziemlich mild. Es regnet kaum und an den meisten Tagen scheint die Sonne. Schon blühen vereinzelt die ersten Mandelbäume. Ideales Wetter also für die traditionell heißen Fiestas mit zahlreichen und prächtigen Feuerwerken, irren Trommelkunststücken und den Auftritten von großen und kleinen Teufeln, die garantiert Gänsehaut erzeugen.

Seit einigen Jahren schon löst das landwirtschaftlich geprägte Dorf Sa Pobla am 16. Januar eine magnetische Kraft aus. Allein im letzten Jahr zog es beinahe hunderttausend Neugierige an.  Warum? An diesem Abend ist hier im wahrsten Sinne des Wortes die Hölle los. Alle wollen die  „Nit de bruixa” (Hexennacht) erleben. Sie wird zu Ehren des Heiligen Antonius abgehalten. Während mit Beginn der Dunkelheit in so gut wie jeder schmalen Gasse ein Lagerfeuer (foguerons) entzündet wird, findet in der Dorfkirche ein Gottesdienst statt. Danach marschieren sie auf – die teuflischen „Caparrots” (Schwellköpfe) aus Pappmaschee. Begleitet von einer aus dem Dunkeln agierenden Trommelgruppe ziehen sie durch die schmalen Gassen und zünden dabei immer wieder überraschend einen Böller. Angeblich geht es darum, das Böse und die Versuchung zu bekämpfen.  Den Abschluß bildet ein gigantisches Musik-Feuerwerk. Dann wird bis zum Morgengrauen getanzt, gespeist und getrunken.

Wer alle Geheimnisse zu diesem Fest genauer erkunden will, stattet dem „Museo de Sant Antoni i el Dimoni”, einen Besuch ab. Es ist im ehemaligen Bahnhofsgebäude untergebracht(HB).

Das Kloster Lluc wird renoviert

Bis Mitte Januar werden die Außenanlagen und das Besucherzentrum des Kloster Lluc neu gestaltet. Für 2,5 Millionen Euro werden unter anderem Gehwege neu gepflastert sowie Bänke und Laternen aufgestellt. Das Kloster Lluc wird jährlich von etwa zwei Millionen Menschen besucht und gehört damit zu den beliebtesten Ausflugszielen auf Mallorca. Das Kloster (Monestir de Lluc) liegt im Tramuntana-Gebirge und bietet auch für Wanderer und Fahrradfahrer attraktive Erlebniswelten. Der Eintritt in das Kloster ist kostenlos. Für das Museum von Lluc, das sich in einem Flügel des Hauptgebäudes befindet, wird ein Eintrittspreis erhoben.

Das Kloster wurde um 1250 erbaut und im Laufe der Jahrhunderte zerstört, umgebaut und vergrößert. Lange war es vor allem nur ein Ort der religiösen Andacht. Das wichtigste Gebäude ist die zentrale Klosterkirche mit der berühmten Madonnenstatue “La Moreneta”. Sehenswert sind auch der Klostergarten und der Innenhof. Prächtige Ausblicke eröffnen sich vom Hügel hinter dem Kloster (10 Minuten Gehzeit). Das Museum, in dem archäologische Funde aus Mallorca, Bilder, Textilien, Keramiken, Möbel und Handarbeiten betrachtet werden können, ist auch etwas für Kunstliebhaber.

Am Kloster Lluc befindet sich das Informationsbüro für das Gebirge Tramuntana, dem besten Wandergebiet auf Mallorca. Die Mitarbeiter sind hilfsbereit und sprechen Englisch(HB).

Mallorca: Dem Weihnachtsstress entfliehen

Von Horst Buchwald

Man schlürft genussvoll seinen Cafe con leche in der Sonne und schaut dabei verträumt auf den zauberhaften Hafen von Palma. Danach folgt ein Bummel unter Palmen und zartblauem Himmel über den Passeig d`es Born und weiter bis zum Ende des Passeig de la Rambla. Von dort beginnt ein Spaziergang durch die verschlungenen Altstadtgassen. Nun gilt es, die  kunsthandwerklichen Kostbarkeiten zu entdecken. So in etwa könnte ein Tag zwischen Weihnachten und Neujahr auf der beliebten Mittelmeerinsel aussehen.  

In der Tat: Warum nicht einmal anders feiern und ein paar Tage oder gleich den ganzen Weihnachtsurlaub auf Mallorca verbringen? Entspannen, sehen, staunen, und ganz nebenbei auch noch originelle Geschenke kaufen?

Bummeln und Shoppen im Glanz der Weihnachtsmärkte

Den ganzen Dezember über bis Ende Januar erstrahlen Dörfer und Städte Mallorcas im Glanz der Weihnachtsbeleuchtung. Besonders festlich geht es in Palma, Inca, Manacor, Alcudia , Sineu und Arta zu. 

Ein beliebtes Ziel ist immer wieder Palma. Zum Pflichtprogramm gehört der Bummel über die Weihnachtsmärkte auf der Plaza Mayor und der Plaza España, denn hier gibt es mallorquinischen Weihnachtsschmuck, Krippenfiguren, Kitsch und Ramsch.

Entlang des Passeig d`es Born bieten internationale Marken Mode für jeden Geschmack und Geldbeutel. Außerdem werden hier traditionelle mallorquinische Stickereien, Lederwaren, Dekorationsartikel, Weine, Süßigkeiten und tausende andere schöne Dinge angeboten.

Ein besonderes Erlebnis ist auch ein Spaziergang durch das Viertel der Kunsthandwerker Paseo de la Artesanía hinter dem Kloster San Francesc in Palma.

Außerdem organisieren die Händler Palmas besondere Aktivitäten, um die Stadt weihnachtlich und vor allem für Kinder ansprechend zu gestalten. Auf vielen Straßen und Plätzen Palmas gibt es Musik und  Theateraufführungen die vom 24. November bis 4. Januar vor allem freitags und samstags stattfinden. 

Auch ein Besuch der zentralen Markthalle von Palma ist immer wieder ein Erlebnis. Sie befindet sich unweit des Placa d`Espanya. Im Mercat de l´Olivat gibt es in einer Halle nur Fisch. In der größeren Halle dahinter werden Obst, Gemüse, Fleischwaren und Käse angeboten. Auch den spanischen Schinken (Jamon Iberico) kann man hier kaufen. Die kleinen Bars in der Halle sind wegen ihres leckeren Tapas- Angebots nicht von ungefähr ein Besuchermagnet. Der Markt ist außer Sonntags an jedem Tag in der Woche vormittags geöffnet.

Inlineskater, Radfahrer, Walker und Jogger finden ihr Paradies auf den gut gekennzeichneten Wegen entlang dem Hafen. Zur einen Seite die atemberaubende Kulisse der Altstadt zur anderen der Yachthafen.

Mit dem Bus 15 (Porta des Camp) gelangt man mühelos in die schick modernisierten Seefahrerviertel Portitxol und Es Molinar. Hier kann man sich mit frischem Fisch und Meeresfrüchten in erstklassiger Qualität verwöhnen lassen. Anschließen folgt ein gemütlicher Bummel über die kilometerlange Mole – links die bunten Fischerhütten, rechts der Blick über das Meer in die Bucht von Palma.

Am Heiligabend geht man in allen Städten und Dörfern in die Mitternachtsmesse - der Misa del Gallo. Sehr beliebt ist die Christmesse in der Kathedrale La Seu, denn hier wird mit dem über tausend Jahre alte Gesang der Sibylle ab 23 Uhr eine besondere Attraktion geboten. Er zählt inzwischen zum Weltkulturerbe.

Öffnungszeiten auf Mallorca während Weihnachten

In diesem Jahr sind auf Mallorca die Geschäfte feiertags am 8., 25. und 26. Dezember geöffnet. Der 6. Dezember ist ein Feiertag. Dann sind alle Geschäfte geschlossen.

Weihnachtskrippen auf Mallorca

Nicht wegzudenken von der mallorquinischen Weihnachtstradition sind die Krippendarstellungen, die ab der zweiten Dezemberhälfte in ganz Palma nicht nur in privaten, sondern auch in öffentlichen Gebäuden zu besichtigen sind. Die häufig riesigen Krippen mit Figuren bilden das Leben auf Mallorca nach. Daran haben vor allem Kinder ihre Freude. Von besonderer  Schönheit ist die Krippe im Rathaus von Palma de Mallorca (Plaza de Cort). Weitere Krippen findet man auf dem Santa Catalina-Markt, in den Herrenhäusern Can Bordils und Can Marqués, dem Konvent der Kapuzinernonnen und dem Museum Palau March.

Weihnachten auf mallorquinisch

Die Mallorquiner feiern Weihnachten auf ihre eigene Art. Statt des Weihnachtsbaumes findet man in den meisten Häusern die traditionelle Weihnachtskrippe. Am Weihnachtsabend werden heiße Schokolade und das Schmalzgebäck „ensaimada“ aufgetischt.

Das eigentliche Weihnachtsfest findet am 25. Dezember statt. Dann versammelt sich die ganze Familie um einen üppig gedeckten Mittagstisch auf dem verschiedene kalte Braten, Eierspeisen, Spanferkel und zahllose Süßspeisen stehen. Vor allem „turrón“ in verschiedenen Zubereitungen ist sehr beliebt. Dabei handelt es sich in der klassischen Form um eine rechteckige Tafel aus Mandeln, Honig, Zucker und Eiklar.

Die Geschenke bringen in den meisten Familien am 6. Januar die Heiligen Drei Könige. In allen Dörfern und Städten finden darum farbenprächtige Umzüge statt. Die drei Könige kommen kurz vor Einbruch der Dunkelheit auf Pferden und Kamelen und mit Geschenken beladenen Wagen im Gefolge der Majestäten. 

Am Vormittag des 31. Dezember feiert Palma auf dem Rathausplatz die „Festa de L’Estendard“, das Fest der Standarte, mit dem an die Rückeroberung der Stadt durch den König Jaume I. von den Mauren am 31. Dezember 1229 erinnert wird. 

Der Silvesterabend wird überall auf Mallorca um Mitternacht vor den Rathäusern mit einem Feuerwerk und Sekt gefeiert. Dabei leiten 12 Glockenschläge das Neue Jahr ein und zu jedem der Schläge isst man eine Weintraube, denn das bringt Glück für das kommende Jahr.

Mit dem Blick der Eroberer - das Castell de Capdepera

Von Horst Buchwald


Von der Placa Espanya führen genau 147 Treppenstufen hinauf zu jener Burg, die unübersehbar stolz und majestätisch über den malerisch engen Gassen von Capdepera thront. Der Aufstieg lohnt allemal, denn für drei Euro pro Person bietet diese wohl besterhaltene  Burganlage Mallorcas mit ihrer zinnenbewehrten Mauern und Wachtürmen die Möglichkeit, mit dem Blick der Eroberer die beeindruckende Weitsicht ins hügelige Umland und hinaus auf den tiefblauen Kanal von Menorca zu genießen. Doch erst im Inneren erzählen die Steine ihre Jahrtausende alte Geschichte.

 

So lassen einige Funde aus der Umgebung darauf schließen, dass der Burghügel bereits zur Zeit der Talayot- Kultur, also zwischen dem 13. und 2. Jahrhundert vor Christi bewohnt war. Während des 2. Jahrhunderts vor Christi bis zum 5. Jahrhundert nach Christi hielten die Römer die Insel besetzt und nutzten dabei auch diesen strategisch wichtigen Punkt. Ihnen folgten die Mauren vom 10. bis zum 12. Jahrhundert. Sie errichteten den Wehrturm Miquel Nunis, der noch heute in seinen Grundmauern steht. Hier gibt es eine Plakette die auf das  “Tractat de Capdepera entre el Rei Jaume I. i alfaqui de Menorca” hinweist.  Dabei handelt es sich um einen Vertrag vom 17.6.1231 zwischen König Jaume I. und dem Maurenherrscher von Menorca, der vom spanischen Eroberer überlistet worden war.  Dieses Friedensabkommen wird in der Bibliothèque Nationale in Paris aufbewahrt.

 

Der Sohn des Eroberers, Jaume II., veranlaßte im Jahr 1300 dann die Gründung des Ortes Capdepera und ließ die Siedlung mit einer Mauer umfrieden.1323 wurde unter seinem Nachfolger Sanc I. eine Kapelle erbaut. Die Mauer wurde verstärkt, doch der Bau war erst 1386 abgeschlossen. Im 15. Jahrhundert wurden zum Schutz vor den türkischen Piraten vier Wachtürme errichtet. Sie erhielten die Bezeichnungen Des Costerans, Sa Boira, Ses Dames und Banya. Nachdem die Türken am Ende des 16. Jahrhunderts aus dem Mittelmeer verschwanden, siedelte sich die Bevölkerung außerhalb der Festungsmauern an. In die Burg zog nun eine Berufsarmee- die Dragons. Das Gebäude für den Kommandeur, die Casa del Gobernador, wurde im 18. Jahrhundet gebaut. 1854 wurde das Kastell vom Militär geräumt und stand einige Jahre leer. 1862 wurde die Immobilie öffentlich versteigert- ein Privatmann erhielt den Zuschlag. 1983 erwarb die Gemeinde sie zurück und begann mit der Renovierung.

Die Festungsmauern sind rundum begehbar und bieten durch jede Zinne einen Blick in die Ebene und zum Meer. Von den einst 25 Häusern sind die Umrisse noch erkennbar. Innerhalb der Mauern am höchsten Punkt liegt die Kapelle Nuestra Senyora de la Esperanza. Das flache Dach diente einst der Verteidigung und ist heute eine Aussichtsterrasse. In der Kapelle steht eine Christusstatue aus Orangenholz, die aus dem 14.Jh. stammen soll sowie eine Marienstatue. Mit ihr verbindet sich folgende Legende: Zum Ende des 14.Jahrhunderts wurde der Ort von Piraten angegriffen, da holten die Bewohner ihre Madonna zur Hilfe und stellten sie auf die Mauern. Nun stieg dichter Nebel auf und die Angreifer wurden vertrieben.

Eine Attraktion für sich ist die Residenz des Militärgouverneurs, in der ein Museum für Palmenflechtarbeiten untergebracht wurde. Dieses älteste mallorquinische Handwerk wurde vermutlich von den Mauren übernommen. Ihr Zentrum war Arta und Capdepera. Nur in diesen Orten gibt es noch einige wenige ältere Frauen, die diese spezielle Flechtkunst beherrschen. Sie benutzen die Zweige der wild wachsenden Zwergpalmen. Im Frühsommer werden die noch zarten Blätter gepflückt und getrocknet und nachdem sie die Sonne ausgebleicht hat, nehmen sie die sandige Farbe an. Taschen, die aus diesem Material hergestellt werden, sind unverwüstlich. Manche sollen über 100 Jahre gehalten haben.

Mallorca entdeckt den Denkmalschutz und das Weltkulturerbe

Von Horst Buchwald

Seit Februar diesen Jahres ist das Bergdorf Orient Mitglied im Memorial-Club und damit ein Bien de interés cultural (BIC). Der Dorfkern steht unter Denkmalschutz, doch ungeteilte Zustimmung erhielten die Initiatoren des 20 Mitglieder umfassenden sociedad d´Orient nicht. Einige Dorfbewohner klagten, nun würden die Genehmigungen für Umbauten länger dauern, weil die Denkmalschutzbehörde sich einschalte. Doch die Befürworter überraschten mit konkreten Plänen. Nun würde die Gemeinde eingestürzte Mauern reparieren und endlich könnte auch der bisher nicht-öffentliche Weg zum Wasserfall Torrent de Coanegra legalisiert und offiziell für Besucher zugänglich zu gemacht werden.

Andere Bewohner träumten vom Weltkulturerbe. Würde die phantastische Gebirgslandschaft der Serra de Tramuntana diese Auszeichnung erhalten, gäbe es Subventionen und mit denen könne man die Landschaft um Orient pflegen und bewirtschaften. Schließlich gehöre die Erde zwischen der Serra d´Alfàbia und dem Puig d´Alaró zu den fruchtbarsten der Insel.

Auch aus diesem Traum könnte schon bald etwas werden. Am 14. Juli setzte der amerikanische Schauspieler Michael Douglas auf der Finca Son Marroig seine Unterschrift unter eine Solidaritätserklärung. Damit stellte er sich hinter die Bewerbung des Inselrats der Balearen, die darauf abzielt, die gewaltige Hügelkette ab 2011 zum Welterbe der Unesco erklären zu lassen. Insgesamt wurden 11.400 Unterschriften gesammelt und auf einer Facebook- Seite trugen sich mehr als 8.600 Fans der Initiative ein.

In der Bewerbung wird auf die lange Geschichte des einzigartigen Naturraums hingewiesen. Noch heute könnten Wanderer jahrhundertealte Köhlerplätze oder Terrassen aus der Zeit der Araber bewundern.

Auch in Mancor de la Vall hat man schon Erfahrungen mit Denkmalschutz. Die Gemeinde, liegt am Fuße des Suro Berges (644 m hoch). Auf den Terrassen kann der Besucher zahlreiche gut gepflegte Olivenplantagen bewundern. Das beliebtest Ziel ist jedoch eine alte Mühle aus dem 17.Jahrhundert. Sie trägt den Namen “Sa Tafona de Son Morro” und steht unter Denkmalschutz.

Die Altstadt von Alcudia steht schon seit 1963 unter Denkmalschutz, doch erst in den letzten fünf Jahren hat man das Zentrum entsprechend umgestaltet. Zunächst wurden die Hauptstrasse und einige Nebenstraßen zu Fußgängerzonen erklärt. Jetzt können die Besucher in Ruhe die in weiten Teilen gut erhaltene Festungsanlage erkunden, die aus dem 13. bis 14. Jahrhundert stammt. König Jaume II hatte den Bau angeordnet, um die Stadt vor Überfällen zu schützen. Drei Tore in der Mauer führen in den historischen Stadtkern: Xara, Vila Roja und Sant Sebastià.

Beeindruckend sind in der Altstadt auch zahlreiche liebevoll restaurierte herrschaftliche Häuser mit Rundbogeneingang und den Renaissance-Fenstern. Sie wurden zu Ehren des Besuches Kaiser Karls V. eingeführt. Viele sind noch mit Hauswappen geschmückt.

Campos: Renaissancebauten und römische Kultur

Das Städtchen Campos (über 9.000 Einwohner) liegt an der Südküste von Mallorca- nur 9 km vom Traumstrand Es Trenc entfernt. Es ist umgeben von prächtig gedeihenden Gärten und fruchtbaren Feldern. Hier wird erfolgreich Viehzucht betrieben. Ein besonderes Highlight sind die Käsereien in und um Campos. Vor allem samstags, wenn sich tausende Besucher über den quirligen Markt drängen und die zahlreichen Obst- und Gemüseprodukte bewundern und kaufen, öffnet die Stadt ihr Herz. Man trifft sich zu einem Espresso mit leckeren Empanadas und Ensaimadas in der inselweit berühmten Bäckerei Pomar oder in vielen anderen Bars und Cafes in den wundervoll begrünten und kunstvoll beschatteten Hinterhöfen. Nicht zu übersehen ist die Kirche Sant Julian - ein Bauwerk von 1248 – in dem sich auch das Gemälde „Es Santo Christo de la Pacienca“ von Murillo und ein gotischer Altar befinden. Auch das im Renaissancestil erbaute Rathaus “Casa Consistorial” an der Plaça Major ist schon wegen des intelligent integrierten Verteidigungsturms einen Besuch wert. Selbst Reste der römischen Kultur blieben erhalten. Man findet sie im Herrenhaus Es Pulmar und im Kurhaus San Joan de la Font Santa. Außerhalb des Ortes wurden einige Windräder aufwendig restauriert. Sie werden noch heute zur Bewässerung der Felder eingesetzt.

Erlebnisreich sind Ausflüge zur Käserei Son Burguera – sie liegt an der Straße nach Colonia de Sant Jordi kurz vor dem Abzweig nach Ses Salines und zum Botanicactus, dem größten botanischen Garten Europas mit einer einzigartigen Kakteensammlung. Auf der Strasse von Campos zum Naturstrand Es Trenc sollte man einen Zwischenhalt in den Lagunen von Salobrar einplanen- ein Tal mit salzhaltigem Wasser. Hier leben Kormorane, Störche und verschiedene Entenarten – ein kleines Paradies für Ornithologen.

Felanitx: ausgelassene Stimmung

Das schmucke Städtchen Felanitx (14.000 Ew) verteilt sich über vier Hügel am Rande der Serra de Llevant- umgeben von Weinbergen und Feldern mit fruchtbarer rotbrauner Erde. Jene 25 teilweise verfallenen Windmühlen erinnern an eine Zeit, als mit ihrer Hilfe Wasser für den Obst – und Weinanbau hochgepumpt wurde. Noch heute werden in diesem von der Natur reichlich begünstigten Landstrich Kapern und Aprikosen geerntet. Beliebt ist auch die Weißwein - Marke Son Burguera, die nur in den örtlichen Geschäften zum Kauf angeboten wird. Einen sehr guten Ruf haben sich die Handwerker erworben. Zu ihren Spezialitäten gehört die Herstellung von Azulejo-Keramikfliesen, das sind buntbemalte und glasierte Kacheln mit Hausnummern oder Bildern - ein beliebtes Mallorca-Souvenir. Sie werden in verschiedenen Geschäften angeboten. Es lohnt sich also, durch die mittelalterlich anmutenden Gassen zu streifen. Jeden Sonntagvormittag, wenn der bunte Wochenmarkt Tausende Besucher in die Stadt lockt, herrscht rund um die imposante Pfarrkirche „Sant Miquel“ und in der Markthalle ausgelassene Stimmung. Dabei sollte man nicht den außergewöhnlichen Margareten- Brunnen auf der „Placa de Sant Fonde de Santa Margalida“ übersehen. Einer Legende nach versiegt das Wasser nie. Außerdem symbolisiert er die ewige Liebe. Auf der Placa Espana mit seinen zahlreichen Bars, Cafes und Restaurants ist immer was los. Unter Palmendächern schmeckt das Bocadillo noch mal so gut.

Die Einwohner gelten als weltoffen und kunstverliebt. Wohl darum konnten sich in Felanitx Künstler verschiedener Gattungen eine starke Präsenz schaffen. Dazu zählen der Maler Jaume Prohens sowie der Schriftsteller Arnau Pons.

Das Meer mit malerischen Buchten wie der Cala Ferrera oder s´Algar ist nur wenige Kilometer entfernt. Zwischen Felanitx und Port Colom liegt Prohenc, eine Hügellandschaft, die Toscana-Feeling auslöst. Aus diesem Grunde ist diese Location wegen ihrer Blickvielfalt bei Fincabesitzern sehr beliebt. Ein faszinierender Ausflugsort ist das 8 km südöstlich gelegene Castell de Santueri. Es handelt sich um Überreste von drei großen Festungsanlagen. Von hier aus eröffnet sich ein Blick über die gesamte Südwestküste. Nur 4 km östlich der Stadt liegt der Berg Sant Salvador (506 m) mit der gewaltigen Wallfahrtskirche Santuari de Sant Salvador, die im Jahre 1348 errichtet wurde und ebenfalls einen phantastischen Weitblick bietet.

Binissalem: viele Weinproben

Binissalem ist das Weinanbaugebiet der Insel. Als einzige Region Mallorcas dürfen die Weine hier die Ursprungsbezeichnung „Denominació de origen“ tragen. Der Ort steht komplett unter Denkmalschutz. Dennoch: Bis auf die von Platanen gesäumte Placa, in deren Mittelpunkt die Kirche Nostra Senyora de Robines steht, sowie dem Tor Cas Capità Bissó , das einst zu einem Herrenhaus gehörte, bietet das Städtchen kaum Attraktionen. Ausnahmen sind einige Veranstaltungen. Ein Ereignis, das Gäste aus ganz Mallorca anzieht, ist die Festa des Vermar (immer am letzten Sonntag im September). Zu diesem Weinlesenfest werden die Strassen bunt geschmückt, es gibt Umzüge, Musik und Tanz und natürlich viele Weinproben.

Es ist ein beschaulicher Ort mit 5.000 Einwohnern. Die meisten Wohnhäuser sind aus dem so genannten Binissalem-Stein gebaut. Natursteinhäuser bestimmen das Bild auf den zahlreichen Hanglagen im Umfeld und eröffnen spektakuläre Blicke über die wunderschöne Weingartenlandschaft. Zur Gemeinde gehören drei Hügel. Der höchste ist der Penyal de Bous mit 408 Metern, der niedrigste ist der Sa Talaia mit 309 Metern.

Sineu: adeliges Antlitz

Sineu (ca.4000 Einwohner) hat viele Gesichter. Da ist der berühmte Mittwochsmarkt. Verkauft wird frisches Obst und Gemüse, Käse, leckere Würste wie Chorizo aber auch Keramik und jede Menge Vieh. Das Flair ist unvergleichlich. Wer sich in den engen, mittelalterlich anmutenden Gassen hungrig gewandert hat, kann in den zahlreichen Cafes, Tapas- Bars oder Restaurants für sein leibliches Wohl sorgen. Sineu ist das Zentrum der Insel und seine Geschichte reicht Jahrhunderte zurück. Diese von sanften Hügeln umgebene Lage faszinierte sowohl den maurischen Emir Mubaxir ( er starb im Jahre 1114) und später auch König Jaime II. (1319-1523). Während der Emir ein Stadtschloß bauen ließ, veranlasste der König auf dessen Basis den Bau des Palastes der Könige von Mallorca. Nach deren Verschwinden wurde das Gebäude den Monjas Concepcionistas (Konvent der Guten Frauen der Unbefleckten Empfängnis) übergeben. Den mehrfach renovierten Palast betreibt der Orden heute noch. Ein echter Blickfang ist die Pfarrkirche Santa Maria la Mayor. Ganz gleich, von welcher Himmelsrichtung man Sineu anfährt, ihre Silhouette überragt alles. Wer sich der im gotischen Stil errichteten Kirche vom Hauptplatz aus über die Freitreppe nähert, trifft auf den geflügelten Löwen. Er erinnert an den Schutzpatron, den Heiligen Markus. Eine weitere Besonderheit sind die Windmühlen. Von den einst 19 Bauwerken wurden 14 erhalten. Auch an den übrigen Wochentagen pulsiert das Leben. Es gibt wohl kaum ein anderes Dorf auf der Insel, in dem die Lebensfreude derart im Mittelpunkt steht - sowohl im Sommer wie im Winter. Auch Kunstliebhaber kommen auf ihre Kosten. Seit 1988 dient der schön renovierte Jugendstilbahnhof mit dem Namen S´Estació als Galerie. Sie zählt jährlich bis zu 40.000 Besucher. Neue Ausstellungen finden alle zwei Monate statt. Ebenso inspirierend ist ein Besuch im Atelier des Dorfkünstlers Ricardo Gago. Neben erotischen Malereien fertigt er Skulpturen in Bronze sowie bäuerliche Figuren aus Terrakotta.
Wie in einem Spinnennetz fließen in Sineu zahlreiche Straßen aus allen Himmelsrichtungen zusammen. Diese optimale Anbindung findet eine sinnvolle Ergänzung in der Bahnstrecke von Palma über Inca nach Manacor. In jede Richtung verkehrt stündlich ein Zug. Außerdem fahren noch Busse in die Dörfer der näheren Umgebung. Drei Supermärkte, mehrere Zeitungsläden und Banken, Blumen- und Keramikgeschäfte sowie Bäckereien garantieren eine optimale Versorgung mit Gütern des täglichen Bedarfs