Von Horst Buchwald
Das Projekt ist ehrgeizig und kann bis zu vier Milliarden verschlingen - die nachhaltige Umgestaltung der Playa de Palma. Ein gewichtiges Schlagwort im Masterplan des Playa de Palma – Konsortiums heißt „emissionsneutral“. Was muß man sich darunter vorstellen? Margarita Nájera, die Direktorin des Konsortiums, beschrieb das so: „Warum benötigt ein Gebäude in Can Pastilla dreimal so viel Energie wie in Hamburg? Wenn wir nicht nachhaltig sind, werden viele nicht mehr kommen. Ich denke da zum Beispiel an all die Grünen-Wähler in Deutschland. Das sind zudem die Kunden mit der größten Kaufkraft, wie uns auch der Reiseveranstalter TUI bestätigt hat. Diese Zielgruppe hat Werte, die sich in der Playa de Palma spiegeln müssen“.
Mit anderen Worten: Die Umgestaltung bedeutet zunächst das Aus für die Billigabsteigen in der ersten Reihe von Orten wie Can Pastilla, Ses Maravilles und Arenal. Das hat natürlich Folgen für die bisherigen Gäste. Im Frühjahr gehörte die Playa den Radlern, in der Hochsaison feierten die „Ballermänner“ hier ihre wilden Partys und im Herbst schoben die Kegelvereine eine ruhige Kugel. Die meisten dieser Touristen werden sich den Wandel von einer Zwei- Sterne- zu einer Vier- Sterne- Destination nicht leisten können. Zudem werden sie auch nicht mehr genügend Betten finden, weil deren Zahl von jetzt 43 000 um 40 bis 60 Prozent reduziert werden soll. Schließlich wird sich die Angebotswelt völlig verändern. Geplant sind sehr viele Zentren - ein Zentrum für die Kultur des Mittelmeers, ein Vergnügungs- und Showzentrum mit Musical- und Theateraufführungen. Auch für Hochleistungssportler ist ein Zentrum geplant. Darüber hinaus sind ein Bio- Hotel der Luxusklasse sowie ein Kunstmuseum vorgesehen.
Offen sind noch manche Details- zum Beispiel die Frage nach dem Verlauf der Straßenbahn. Offen ist natürlich auch, ob sich die finanzielle Kalkulation erfüllen wird. Erwartet wird, dass die „Kunden mit der größten Kaufkraft“ statt jetzt 65 Euro pro Tag eher 135 Euro ausgeben. Weil die Erneuerung nicht von heute auf morgen sondern im Zeitraum von zehn bis 20 Jahren vollzogen werden soll, bleibt noch genügend Zeit, um festzustellen, ob sich nicht folgende betriebswirtschaftliche Berechnung, die in einem Mallorca-Forum angestellt wurde, als zutreffender erweisen wird: „Mit einem Eimer Sangría oder 100 Dosen Bier ist mehr Gewinn zu erwirtschaften als mit einem 4-Sterne Menu. Kein Personal, keine Speisesäle, kein Geschirrspüler, etc.“
Der „Grünen-Wähler“ würde jedoch Folgendes bemängeln: wie hoch sind die Emissionen und die Umweltkosten, die diese Art von Tourismus verursacht?
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