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19.8.2010 von HB.
Von Horst Buchwald
Das Projekt ist ehrgeizig und kann bis zu vier Milliarden verschlingen - die nachhaltige Umgestaltung der Playa de Palma. Ein gewichtiges Schlagwort im Masterplan des Playa de Palma – Konsortiums heißt „emissionsneutral“. Was muß man sich darunter vorstellen? Margarita Nájera, die Direktorin des Konsortiums, beschrieb das so: „Warum benötigt ein Gebäude in Can Pastilla dreimal so viel Energie wie in Hamburg? Wenn wir nicht nachhaltig sind, werden viele nicht mehr kommen. Ich denke da zum Beispiel an all die Grünen-Wähler in Deutschland. Das sind zudem die Kunden mit der größten Kaufkraft, wie uns auch der Reiseveranstalter TUI bestätigt hat. Diese Zielgruppe hat Werte, die sich in der Playa de Palma spiegeln müssen“.
Mit anderen Worten: Die Umgestaltung bedeutet zunächst das Aus für die Billigabsteigen in der ersten Reihe von Orten wie Can Pastilla, Ses Maravilles und Arenal. Das hat natürlich Folgen für die bisherigen Gäste. Im Frühjahr gehörte die Playa den Radlern, in der Hochsaison feierten die „Ballermänner“ hier ihre wilden Partys und im Herbst schoben die Kegelvereine eine ruhige Kugel. Die meisten dieser Touristen werden sich den Wandel von einer Zwei- Sterne- zu einer Vier- Sterne- Destination nicht leisten können. Zudem werden sie auch nicht mehr genügend Betten finden, weil deren Zahl von jetzt 43 000 um 40 bis 60 Prozent reduziert werden soll. Schließlich wird sich die Angebotswelt völlig verändern. Geplant sind sehr viele Zentren - ein Zentrum für die Kultur des Mittelmeers, ein Vergnügungs- und Showzentrum mit Musical- und Theateraufführungen. Auch für Hochleistungssportler ist ein Zentrum geplant. Darüber hinaus sind ein Bio- Hotel der Luxusklasse sowie ein Kunstmuseum vorgesehen.
Offen sind noch manche Details- zum Beispiel die Frage nach dem Verlauf der Straßenbahn. Offen ist natürlich auch, ob sich die finanzielle Kalkulation erfüllen wird. Erwartet wird, dass die „Kunden mit der größten Kaufkraft“ statt jetzt 65 Euro pro Tag eher 135 Euro ausgeben. Weil die Erneuerung nicht von heute auf morgen sondern im Zeitraum von zehn bis 20 Jahren vollzogen werden soll, bleibt noch genügend Zeit, um festzustellen, ob sich nicht folgende betriebswirtschaftliche Berechnung, die in einem Mallorca-Forum angestellt wurde, als zutreffender erweisen wird: „Mit einem Eimer Sangría oder 100 Dosen Bier ist mehr Gewinn zu erwirtschaften als mit einem 4-Sterne Menu. Kein Personal, keine Speisesäle, kein Geschirrspüler, etc.“
Der „Grünen-Wähler“ würde jedoch Folgendes bemängeln: wie hoch sind die Emissionen und die Umweltkosten, die diese Art von Tourismus verursacht?
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14.8.2010 von HB.
Manche Restaurants sind schwer zu finden. Dieses kann man nicht übersehen, denn einen attraktiveren Standort kann es kaum geben. Das Porxada de sa Torre liegt unmittelbar am Torre de Canyamel, einem massiven, zinnenbekrönten Wehrturm aus dem 13. Jahrhundert, der majestätisch in die Landschaft hineinragt. Vor einigen Jahren saß man an langen Tischen und musste auf unbequemen Holzbänken Platz nehmen. Jetzt speist man an gut platzierten Tischen mit gemütlichen Stühlen. Nur das agrarisch geprägte Ambiente ist geblieben: Heuwagen, auf denen sich Knoblauchknollen türmen, Pferdegeschirr und Mühlsteine. Obwohl wir nicht reserviert hatten, bekamen wir noch einen Fensterplatz, doch das klappte wohl nur, weil wir pünktlich zur Öffnungszeit um 19:00 Uhr dort waren. Das Restaurant ist sehr beliebt, denn die restlichen Tische füllten sich rasch. Dennoch hatte das gut eingespielte Kellnerteam alles perfekt im Griff, wirkte dabei überhaupt nicht gestresst und war immer zum richtigen Zeitpunkt zur Stelle- für ein Restaurant dieser Größe schon ein Kunststück.
Vorspeise: Die Dame bestellte Kroketten mit Spinatfüllung, der Herr einen Tomatensalat. Die Füllung bestand tatsächlich aus dem wohlschmeckenden Gemüse und nicht aus Kartoffelpamps aus der Tüte. Der Teller mit den frischen Tomaten, Zwiebelringen und einigen Paprikaringen war riesig. Hauptspeise: Wir waren auch gekommen, weil der Herr endlich mal die Spezialität des Hauses, nämlich Spanferkel vom Holzkohlegrill, probieren wollte. Die Dame entschied sich für ein Steinbutt - Filet. Pommes wollten wir beide nicht als Beilage sondern gegrilltes Gemüse. Zwei Spanferkel-Stücke wurden serviert- eines mit Kruste und frisch vom Grill, das andere war ein Filet-Stück ohne Kruste, doch leider schon etwas erkaltet. An der Qualität und der Menge gab es nichts auszusetzen, die Kruste ist Geschmackssache, obwohl das Fett völlig ausgebraten war. Das Gemüse (Bohnen, Erbsen und Pimientos de Padron ) war leider nicht gegrillt sondern gekocht. Die geschmackliche Harmonie mit dem Spanferkel war nicht optimal. Das Steinbuttfilet war riesig, doch wir rätselten, wie es zubereitet worden war. Offensichtlich wurde es gedämpft und anschließend auf einer Seite in der Pfanne gebraten. Der Geschmack war okay. Dazu gab es gegrilltes Gemüse in Form von Champignons, Paprika und einer Scheibe Birne. Satt sind wir geworden, aber es ist klar: Dies ist kein Platz für Gourmets sondern für Hungrige, die keine Raffinessen erwarten und es gewohnt sind, dass ohne Gewürze gekocht wird. Doch dann kam das Dessert. Der Herr bestellte einen Brownie, die Dame Pina natural. Letztere hatte noch nicht die volle Reifestufe und manch einem Stück fehlte es an Saft. Doch der Brownie mit Eis und Sahne war eindeutig die Offenbarung. Als die Rechnung kam, waren wir nicht enttäuscht: 66,70 Euro inclusive einem Macia Batle rose, einem Wasser und einem Torres 5 als Absacker gehen voll in Ordnung (HB)
Bewertung:
Ambiente: agrarisch geprägt. Service: sehr nett, aufmerksam und flexibel. Punkte: 4 von 10.
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13.8.2010 von HB.
Von Horst Buchwald
Von der Placa Espanya führen genau 147 Treppenstufen hinauf zu jener Burg, die unübersehbar stolz und majestätisch über den malerisch engen Gassen von Capdepera thront. Der Aufstieg lohnt allemal, denn für drei Euro pro Person bietet diese wohl besterhaltene Burganlage Mallorcas mit ihrer zinnenbewehrten Mauern und Wachtürmen die Möglichkeit, mit dem Blick der Eroberer die beeindruckende Weitsicht ins hügelige Umland und hinaus auf den tiefblauen Kanal von Menorca zu genießen. Doch erst im Inneren erzählen die Steine ihre Jahrtausende alte Geschichte.
So lassen einige Funde aus der Umgebung darauf schließen, dass der Burghügel bereits zur Zeit der Talayot- Kultur, also zwischen dem 13. und 2. Jahrhundert vor Christi bewohnt war. Während des 2. Jahrhunderts vor Christi bis zum 5. Jahrhundert nach Christi hielten die Römer die Insel besetzt und nutzten dabei auch diesen strategisch wichtigen Punkt. Ihnen folgten die Mauren vom 10. bis zum 12. Jahrhundert. Sie errichteten den Wehrturm Miquel Nunis, der noch heute in seinen Grundmauern steht. Hier gibt es eine Plakette die auf das “Tractat de Capdepera entre el Rei Jaume I. i alfaqui de Menorca” hinweist. Dabei handelt es sich um einen Vertrag vom 17.6.1231 zwischen König Jaume I. und dem Maurenherrscher von Menorca, der vom spanischen Eroberer überlistet worden war. Dieses Friedensabkommen wird in der Bibliothèque Nationale in Paris aufbewahrt.
Der Sohn des Eroberers, Jaume II., veranlaßte im Jahr 1300 dann die Gründung des Ortes Capdepera und ließ die Siedlung mit einer Mauer umfrieden.1323 wurde unter seinem Nachfolger Sanc I. eine Kapelle erbaut. Die Mauer wurde verstärkt, doch der Bau war erst 1386 abgeschlossen. Im 15. Jahrhundert wurden zum Schutz vor den türkischen Piraten vier Wachtürme errichtet. Sie erhielten die Bezeichnungen Des Costerans, Sa Boira, Ses Dames und Banya. Nachdem die Türken am Ende des 16. Jahrhunderts aus dem Mittelmeer verschwanden, siedelte sich die Bevölkerung außerhalb der Festungsmauern an. In die Burg zog nun eine Berufsarmee- die Dragons. Das Gebäude für den Kommandeur, die Casa del Gobernador, wurde im 18. Jahrhundet gebaut. 1854 wurde das Kastell vom Militär geräumt und stand einige Jahre leer. 1862 wurde die Immobilie öffentlich versteigert- ein Privatmann erhielt den Zuschlag. 1983 erwarb die Gemeinde sie zurück und begann mit der Renovierung.
Die Festungsmauern sind rundum begehbar und bieten durch jede Zinne einen Blick in die Ebene und zum Meer. Von den einst 25 Häusern sind die Umrisse noch erkennbar. Innerhalb der Mauern am höchsten Punkt liegt die Kapelle Nuestra Senyora de la Esperanza. Das flache Dach diente einst der Verteidigung und ist heute eine Aussichtsterrasse. In der Kapelle steht eine Christusstatue aus Orangenholz, die aus dem 14.Jh. stammen soll sowie eine Marienstatue. Mit ihr verbindet sich folgende Legende: Zum Ende des 14.Jahrhunderts wurde der Ort von Piraten angegriffen, da holten die Bewohner ihre Madonna zur Hilfe und stellten sie auf die Mauern. Nun stieg dichter Nebel auf und die Angreifer wurden vertrieben.
Eine Attraktion für sich ist die Residenz des Militärgouverneurs, in der ein Museum für Palmenflechtarbeiten untergebracht wurde. Dieses älteste mallorquinische Handwerk wurde vermutlich von den Mauren übernommen. Ihr Zentrum war Arta und Capdepera. Nur in diesen Orten gibt es noch einige wenige ältere Frauen, die diese spezielle Flechtkunst beherrschen. Sie benutzen die Zweige der wild wachsenden Zwergpalmen. Im Frühsommer werden die noch zarten Blätter gepflückt und getrocknet und nachdem sie die Sonne ausgebleicht hat, nehmen sie die sandige Farbe an. Taschen, die aus diesem Material hergestellt werden, sind unverwüstlich. Manche sollen über 100 Jahre gehalten haben.
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